In Deutschland wird der Verletzungsprävention bislang wenig Aufmerksamkeit gespendet. Das mag daran liegen, dass mancher Trainer als auch der Sportler glaubt, durch solche Maßnahmen würde kostbare Trainingszeit geraubt. Das ist jedoch ein Trugschluss. Sinnvoll in das Training integriert, lassen sich mit den Übungen Effekte hinsichtlich Kondition und Technik erzielen und können somit langfristig die Zahl der Knieverletzungen reduzieren.

Oft kommt es zu schweren Verletzungen intraartikulärer Strukturen wie dem vorderen Kreuz­band und den Menisken. Diese können langfristig zu degenerativen Gelenkschäden führen. Mit operativen Verfahren lässt sich das Arthroserisiko zwar reduzieren, trotzdem kehren nur ca. 50% der Sportler zu ihrem ursprünglichen Aktivitätsniveau zurück. Aus diesem Grunde besitzt die Primär­- und Sekundärprävention von Kniegelenksverletzungen eine große Bedeutung. In den letzten Jahren wurden verschiedene Strategien zur Prävention von Knieverletzungen entwickelt.

Diese Präventionsstrategien beinhalten:

  • Aufklärung über Verletzungsmechanismen und Modifikation gefährdender Bewegungsmuster,
  • Balancetraining
  • Neuromuskuläres Training zur Optimierung der inter­ und intramuskulären Koordination
  • Krafttraining der schützenden ischiokruralen, hüft­ und rumpfstabilisierenden Muskeln und
  • Laufübungen

Eine Metaanalyse der vorhandenen Präventionsprogramme hat zeigen können, dass mit diesen Maßnahmen Verletzungen des Kniegelenks um über 25 % und Rupturen des vorderen Kreuzbandes um über 50% reduziert werden können. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Daten hat das Komitee Ligamentverletzungen der Deutschen Kniegesellscha (DKG) ein Präventionsprogamm entwickelt, mit dem Knieverletzungen verhindert werden können. Der Name des Programmes „STOP-X“ bezieht sich auf den wichtigsten Risikofaktor, nämlich die valgische Stellung der unteren Extremität.

Es beinhaltet alle fünf der oben erwähnten Präventionsstrategien und richtet sich an Risikoathleten verschiedener Sportarten (Ballsport, Skisport, Judo etc.). Die einzelnen präventiven Elemente des Programmes können je nach Sportart unterschiedlich gewichtet werden. Bei Ballsportarten sollten alle Elemente gleichermaßen eingebunden werden. Im Skisport stehen Kraftübungen und Sprungtraining im Vordergrund. Auch im Judo sind eher Kraft- ­ und Sprungübungen sinnvoll.